Geschichte


"Beischl haun" im Bachlertal
Maria Schuh mit 80 Jahren am "Beischl-Binder"

Die Wärme in den Wohnungen wird heute vom Heizöl, Erdgas, Sonnenenergie, Stroh oder Holz erzeugt. Doch bevor die sogenannte Zentralheizung in die Häuser eingebaut wurde, stand in den einzelnen "Kuchln" und Zimmern jeweils ein eigener Ofen. In Zeiten der Not war nur der große Küchenherd beheizt, um den sich die gesamte Familie samt Dienstboten scharte. Die einzelnen Öfen mußten angeheizt werden, aber mit  Holzscheiten kann man nur sehr mühsam ein Feuer entfachen. Dagegen ist es ein Leichtes, mit dünnen Holzstäben und Astwerk eine Flamme zu erzeugen.

Kennen Sie "Beischl"?
Selten finden wir heutzutage die zusammengebundenen Büschl aus Holzstäben und Nadelwerk auf den Höfen und Anwesen in unserer niederbayrischen Heimat.

Wenn im Winter die hochstämmigen Fichten für Bauholz und Industriebedarf von den Landwirten gefällt wurden, kamen zunächst nur die Baumstämme aus dem Wald. Die abgetrennten Äste, im niederbayrischen auch "Nest" genannt, blieben bis zum Frühjahr liegen.  Sobald es die Zeit erlaubte, wurden die Äste mit Fuhrwerken aus dem Wald geholt und auf dem Hof abgeladen. Vereinzelt wurden die Äste unmittelbar im Wald zu Beischln verarbeitet.

Das "Beischl haun" war meistens eine Aufgabe der Frauen auf dem Hof. Die armdicken Seitenäste der Hochstämme wurden dabei vom kleineren Astwerk befreit. Ideales Beischl-Holz sind Zweige bis zu 3 cm im Durchmesser. Manchmal auch Teile bis zu 4 cm,  je nachdem, wie gut das "Hackl" geschliffen war, und die Muskelkraft der Beischlhauerin beschaffen war. Neben den Holzstäben wurde auch Nadelwerk auf eine Länge von ca. 35 cm gehackt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das vorbereitete Astmaterial auf den Boden gelegt, und dann mit "Wieden" (Weiden) mühsam zu Bündel gezurrt.

Wie sich Schmiedemeister Raymund Dietl aus Herrngiersdorf erinnert, wurden vor 1940 und auch während des 2. Weltkrieges eine ganze Reihe von Beischlbindern in der Dietl-Schmiede hergestellt. Bezeichnend für die damalige Zeit war auch die Armut während des Krieges. So konnte sich nicht jeder Haushalt einen Beischlbinder leisten und die Frauen mußten die Aststäbe weiterhin mühsam auf dem Boden zusammen rollen und binden. Das Metallgestell aus Winkel- und Rundeisen vereinfachte das "Beischl-Binden" ungemein. Ein Beischlbinder steht auf vier Beinen und hat in Griffhöhe eine Halbrundschale zur Aufnahme der Holzstücke. Darüber ist eine ebenfalls halbrunde bewegliche Spange, mit deren Hilfe das Astwerk in eine runde Form gezurrt werden kann.

Es war zweifellos auch ein Produkt der fortschreitenden Industrieallisierung, das die Handarbeit im landswirtschaftlichen Bereich sehr stark erleichterte. Dazu kam im Laufe der Jahre eine weitere Revolution in Form des "Brässbandls". Mit dem kräftigen Bindegarn der neuen Stroh- und Heupressen konnte man wunderbar die Beischl binden.

Bis in unsere Tage hat sich das Beischl-Haun auf den Anwesen der Region erhalten. Darunter gibt es einige Frauen, wie Maria Schuh aus Haimelkofen, die diese Tätigkeit leidenschaftlich betreiben und schon jedes Jahr sehnsüchtig auf den Mai warten, um wieder mit den ersten kräftigen Sonnenstrahlen unter freiem Himmel den Beischlbinder und den Hackstock aufzubauen.

Was braucht nun eine Beischl-Hauerin, um mit den Arbeiten beginnen zu können? - Als erstes natürlich einen großen Haufen mit Ästen, dann einen Beischl-Binder, einen Hackstock und ein gutes Hackl.


Es erfordert eine ganze Menge Kraft, um die langen Äste aus dem Gestrüpp zum Hackstock zu ziehen. Die 80-jährige Maria Schuh greift diese Äste,  - wie sie es schon immer getan - hat mit den blosen Händen.


Am Hackstock trennt Sie dann die kleineren Abzweige vom Leitast, der zu Brennholz geschnitten wird.


Alles was dünner ist als 3 cm wird in ca. 40 cm lange Stücke gehackt und wandert in die halbrunde Mulde des Beischlbinders


Der Beischlbinder wird bis zum Anschlag  lose gefüllt


Der obere Bügel wird nach unten genommen und gespannt. Zur Bündelung hängt Maria Schuh eine Zahnstange ein.


In eine Art Steigbügel tritt die Beischl-Hauerin, um das Paket fest zu schnüren.


Das fixierte Bündel kann nun in aller Ruhe mit dem Bindegarn gebunden werden.


Zum Schluß erfolgt noch eine Schönheitskorrektur, indem die Überlängen abgeschlagen werden.


Der Stolz jeder Beischl-Hauerin sind die angerichteten und fertig geschnürten Holzbündel, die anschließend trocken gelagert werden.

 

Paul Winderl 05/2004